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Für eine starke Psychiatrie im Kanton Zürich

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MED500+: Mehr Studienplätze. Aber wer versorgt Zürich morgen?

Brennpunkt

MED500+: Mehr Studienplätze. Aber wer versorgt Zürich morgen?

Die Universität Zürich will deutlich mehr Ärzt:innen ausbilden und das Medizinstudium neu gestalten. Für die psychiatrische, hausärztliche und pädiatrische Versorgung ist das eine grosse Chance. Entscheidend wird sein, wer die Reform mitprägt.

270 zusätzliche Studienplätze pro Jahr: Mit Med500+ plant die Universität Zürich einen Ausbau von rund 430 auf 700 Plätze. Die ersten zusätzlichen Studierenden sollen 2030 beginnen. Parallel dazu wird das Curriculum weiterentwickelt – praxisnäher, kompetenzorientierter und mit neuen Lehrformen. Angesichts des ärztlichen Nachwuchsmangels ist das ein wichtiger Schritt.

Doch hinter den eindrücklichen Ausbauzahlen steckt eine zweite, mindestens ebenso wichtige Frage: Für welche Tätigkeiten werden sich die künftigen Absolvent:innen entscheiden? Mehr Diplome allein garantieren noch keine bessere Versorgung. Gerade dort, wo Menschen einen wohnortsnahen, kontinuierlichen Zugang zu medizinischer Hilfe brauchen, fehlen Fachkräfte: in der Hausarztmedizin, der Kinder- und Jugendmedizin, der Psychiatrie sowie der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Die Facharztwahl beginnt lange vor dem Diplom

Wer Medizin studiert, lernt nicht nur Diagnosen und Therapien. Im Studium entstehen auch Vorstellungen davon, was ein Fachgebiet ausmacht und wie attraktiv eine spätere Tätigkeit darin sein könnte. Prägende Lehrpersonen, Begegnungen mit Patient:innen und praktische Erfahrungen beeinflussen den beruflichen Weg. Was im Curriculum kaum vorkommt, kann schwerlich Begeisterung wecken.

Das gilt besonders für die Psychiatrie. Sie verbindet medizinisches Wissen mit langfristigen Behandlungsbeziehungen, komplexen Lebenssituationen und der engen Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen. Wer dieses breite und anspruchsvolle Berufsfeld nur punktuell kennenlernt, erhält kein vollständiges Bild seiner Möglichkeiten. Gleichzeitig sind fehlende Psychiater:innen sowie lange Wartezeiten für Betroffene bereits heute ein Problem. Die Ausbildung von morgen muss deshalb auch die Versorgungslücken von morgen im Blick haben.

Eine gemeinsame Stimme der Grundversorgung

Die ZGPP will diese Diskussion nicht allein führen. Die Verbände der Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Hausarztmedizin und Kinder- und Jugendmedizin bündeln ihre Kräfte und bringen ihre Grundversorgungs-Perspektiven gemeinsam ein. Sie verbindet mehr als der Nachwuchsmangel: Alle vier Fachgebiete tragen wesentlich dazu bei, dass Menschen frühzeitig, niederschwellig und möglichst nahe an ihrem Alltag medizinisch betreut werden.

Die gemeinsame Haltung ist bewusst konstruktiv. Die Grundversorgerinnen und Grundversorger begrüssen den Ausbau der Studienplätze und die Weiterentwicklung des Curriculums. Sie wollen mit ihrem Wissen aus Praxis, Lehre und Versorgung dazu beitragen, dass die Investition ihren Zweck erfüllt. Dafür müssen ihre Fachgesellschaften frühzeitig in die Planung und die relevanten Gespräche mit Universität und Politik einbezogen werden – solange die Ausrichtung der Ausbildung noch mitgestaltet werden kann.

Eine Bildungsreform ist auch Versorgungspolitik

Bei Med500+ geht es um mehr als zusätzliche Hörsäle und Dozentenstellen. Die Reform wird mitentscheiden, welche Fachgebiete künftige Generationen von Ärzt:innen kennenlernen, welche Vorbilder sie erleben und wo sie ihre berufliche Zukunft sehen. Ihre Wirkung wird erst in vielen Jahren vollständig sichtbar sein. 

Für die ZGPP und ihre Partner ist deshalb klar: Die medizinische Grundversorgung gehört nicht erst bei der Umsetzung an den Tisch. Sie muss bereits bei der Gestaltung mitreden können. Denn der Erfolg von Med500+ wird sich nicht nur daran messen lassen, wie viele Menschen ein Medizinstudium abschliessen – sondern auch daran, ob die Zürcher Bevölkerung künftig die Ärzt:innen findet, die sie braucht.